Dienstag, 17. Oktober 2017

Sehenswürdigkeiten in Thüringen


 


Das Ende der Stadtschreiberzeit rückt in Sicht. Ich habe schon so viel hier gesehen und erlebt, aber es gibt genauso viele Dinge, die ich noch nicht gesehen und erlebt habe. Ich erstelle mir eine „Must -See-Liste“ und notiere Sehenswürdigkeiten, die ich unbedingt noch besichtigen muss. 



Das Schloss Molsdorf gehört dazu. Es liegt in der Nähe von Erfurt und ist gerade jetzt in der Herbstzeit wunderschön.



Auch der Baumkronenpfad des Nationalpfades Hainich gehört zu den „Must- see“ auf meiner Liste. Da ich in meiner Familie nur von Höhenpanikern umgeben bin, mache ich mich ganz in Ruhe allein auf Klettertour. Es ist überhaupt nicht gefährlich, man muss sich nur immer wieder sagen, dass ja nichts passieren kann.
Herbst im Hainich ist ein unglaubliches Erlebnis.
 

Sonntag, 15. Oktober 2017

Die Buchmesse am Samstag


Es gibt Dinge, die man sich in diesem Leben nicht so oft antun sollte. Eines davon ist die Buchmesse in Frankfurt an einem Samstag. Menschenmassen stolpern durch die Gänge, immer wieder bilden sich endlose Schlangen vor einem Stand, weil dort jemand signiert oder ein Interview gibt. Es ist zwar bunt und lustig mit den interessanten Cosplayern in ihren tollen Gewändern, aber das Gedränge und die Hitze in den Hallen ist unbeschreiblich … und dann diese Schlangen vor dem Klo…
Aber so ist sie eben, die Buchmesse an einem Samstag, und wer Massen nicht mag, der sollte sich einen Platz in der Sonne im schönen Außenbereich des Messegeländes suchen.
Ich habe einen spannenden Termin mit einem spannenden Verlag zu einem ultraspannenden Projekt, der nur an diesem Samstag möglich war, und nur darum nehme ich diese Chaos auf mich. Gesehen habe ich nicht wirklich viel.
Aber Frankfurt, der Bleistiftturm, die Cosplayer, der Geruch von Döner und Kaffee, die Seifenblasenherzen vor der Messeskyline und die unendliche Schlange für Flake von Rammstein sind eigentlich auch unvergessene Eindrücke. Bücher? Ach so, die soll es da wohl auch geben … irgendwo zwischen dem Gewühle.


Dienstag, 10. Oktober 2017

Kleine Gesten


 

Es ist einer dieser unglaublich stürmischen Herbsttage. Die Menschen haben sich in ihre Wohnungen zurückgezogen. Der Marktplatz ist fast leergeräumt. Nur ein Blumenhändler versucht, seine Blumen und Gestecke vor dem Wind in Sicherheit zu bringen. Hektisches Kramen ist aus dem Lieferwagen zu hören.
Ich eile über den Marktplatz, die Kapuze ins Gesicht gezogen. Vor mir geht ein Jugendlicher mit schnellen Schritten. Er sieht noch jung aus, 16 vielleicht, hat dunkle Haut, die schwarzen Locken zu kleinen Rasterzöpfen gefilzt. Vielleicht ist er einer dieser unbegleiteten jugendlichen Flüchtlinge, fällt mir ein.
Jetzt weht ein kleiner Blumentopf über den Platz. Es ist ein Plastiktopf, wie man ihn für Setzlinge benötigt, unnütz – Müll eigentlich. Der Jugendliche jagt dem Plastiktopf nach, hält ihn auf und trägt ihn zum Blumenstand zurück. Er steckt ihn zwischen zwei Gestecke, damit er nicht wieder wegwehen kann.
Der Blumenhändler ist in seinem Lieferwagen mit dem Einräumen beschäftigt und nicht zu sehen. So bleibt diese kleine Hilfsbereitschaft unbemerkt.
Aber warum hat er sie trotzdem gemacht? Warum hat er Energie in diesen Blumentopf gesteckt, ist ihm hinterhergejagt, hat sich danach gebückt, hat ihn auch noch zurückgetragen? Wollte er nicht, dass Müll auf dem Marktplatz herumliegt? Wusste er den Topf nicht als Müll einzuschätzen? Wollte er einfach jemanden das zurückgeben, was ihm gehört?
Die kleine Geste rührt mich irgendwie. Ich denke an Schwellenländer, in denen der Müll einen ganz anderen Wert hat. Ich denke daran, dass der Junge so spontan und selbstverständlich handelte. Und ich denke auch daran, dass ich nicht hinter dem Blumentopf hergelaufen wäre. Wie lieb, dass er es getan hat. 

Freitag, 6. Oktober 2017

Die Gothaer Tagespost

 


Es ist auch mal nett, wenn man nicht immer selbst schreiben muss, sondern wenn mal ein anderer etwas über einen schreibt.
Gestern, bevor die Schreibwerkstatt in der Heinrich-Heine-Bibliothek in Gotha begann, kam der Redaktionsleiter der Gothaer Tagespost Wieland Fischer vorbei, um mir einige Fragen über mein Schreiben und über meine Eindrücke von Gotha zu stellen. Aber wie immer, wenn man mit Kollegen zusammensitzt, auch wenn man aus ganz verschiedenen Bereichen kommt, hat die Liebe zum Schreiben sofort etwas Verbindendes, und so hatten wir uns einfach auch so ganz viel zu erzählen.
Die Schreibgruppe, die anschließend kam, war diesmal nur ein kleines Grüppchen, dafür aber umso gemütlicher.




Donnerstag, 5. Oktober 2017

Und noch ein Besuch


 
„Hast du einen großen Koffer dabei? Es ist nämlich einfacher, dich zu Fuß vom Bahnhof abzuholen“, sage ich, als sich meine Freundin Angelika über die Brücken- und Feiertage zu Besuch ankündigt.
„Nur einen kleinen Rollkoffer“, sagt sie.
Dann aber ist der Rollkoffer doch sehr groß, und es kostet verdammt viel Kraft und Mühe, ihn über das Kopfsteinpflaster zu ziehen.

Überhaupt, so toll wie das Pflaster aussieht, es ist leider überhaupt nicht Rollator- und noch weniger Rollstuhltauglich – da ist ein Rollkoffer noch das kleinere Problem. Ich frage mich, wie die vielen alten Menschen in dieser Stadt zurechtkommen. Gehbehindert darf man jedenfalls möglichst nicht werden…

Aber nachdem wir den Riesenkoffer auch noch ins 3. Stockwerk der Stadtschreiberwohnung gehievt haben, kann uns nichts mehr erschüttern.
Leider ist die Stadt am Feiertag ziemlich ausgestorben, aber Angelika bekommt doch einen guten Eindruck von Gotha, besonders vom Schlossgarten und vom Schloss.
Nur der Bahnhof… aber davon wollte ich ja nichts schreiben. Das ist ja ein Dauerbrenner unter den Reisenden.
An dieser Stelle zitiere ich einen Satz des Oberbürgermeisters Kurt Kreuch: „Wenn man den Bahnhof hinter sich gelassen hat, hat man das Schlimmste geschafft!“

Freitag, 29. September 2017

Ja sind Sie nicht…



Ich bummele durch die Stadt, genau genommen über den Buttermarkt. Auf hölzernen Thron des „Liebeskusses“ sitzt eine ältere Frau, ein Mann versucht, sie mit seinem Handy zu fotografieren.
„Wollen Sie sich nicht dazu setzen? Dann fotografiere ich Sie beide“, schlage ich vor.
Der Mann freut sich, kuschelt sich neben seine Frau, die beiden lächeln einander an. Ich knipse.
Als ich mich umdrehe, habe ich die Aufmerksamkeit einiger Menschen auf mich gezogen. Eine Frau kommt zu mir.
„Ja sagen Sie, sind Sie nicht die, wo immer in der Zeitung steht“, fragt sie im typisch Thüringer Slang.
„Genau“, sage ich.
„Das ist ja toll, dass ich Sie mal in Echt erlebe“, fährt sie fort. „Ich lese das nämlich immer alles ganz genau, was Sie schreiben.“
„Und wie gefällt es Ihnen?“, frage ich.
„Ich sehe das immer ganz genau wie Sie“, sagt sie.

Donnerstag, 28. September 2017

Gutes Teamwork


Erinnert ihr euch noch an meinen Blogpost über mein Treffen mit Mohannad Raslan im Verlag an der Ruhr. Mohannad wollte gerne mit mir zusammen einen Klar-Reality-Roman über seine Flucht aus Syrien und sein Leben in Deutschland schreiben, und sowohl ich, als auch der Verlag hatten Lust, das zu begleiten.
Mohannad ist ein zuverlässiger Mensch, und da er mit einem wahnsinnigen Ehrgeiz und Willen Deutsch gelernt hatte, war es ihm möglich, tatsächlich einen sehr bewegenden Roman zu schreiben. Jetzt war es meine Aufgabe, den Text zu überarbeiten, hier und da den Spannungsaufbau zu erweitern oder wörtliche Reden hinzufügen.
Die korrigierten Texte wanderten täglich mehrfach hin und her.
In den letzten Tagen war Mohannad von einem Virus in die Knie gedrängt worden und konnte nicht zur Schule gehen. Das war unsere Chance, so richtig ranzuklotzen.
Morgens um sieben die erste Mail: „Hier ist wieder ein Kapitel“… und eine Stunde später die Antwort: „Schon zurück.“ Dann die nächste Mail: „Kannst du noch? Dann habe ich noch ein Kapitel für dich.“ Und die Antwort nach einer Stunde: „Fertig. : )))“  Nachmittags haben wir dann echt noch ein Kapitel durchgearbeitet.
Stress pur – aber guter Stress!
Bisher habe ich mit allen Klar-Reality-Autoren immer life gearbeitet, darum war ich mir ein bisschen unsicher, ob es auch virtuell klappt. Gott sei Dank ist Mohannad ein verantwortungsvoller Typ, der ganz eigenständig arbeitet und nicht ständig motiviert werden muss. So haben wir heute den ersten Durchgang des kompletten Buches geschafft. Jetzt noch ein zweiter Durchgang, dann geht das Manuskript an Caroline Köhne vom Verlag.
Eins kann ich euch Lesern schon mal versprechen: Es ist eine berührende Geschichte geworden.