Donnerstag, 27. April 2017

Lesung im Frauenzentrum



Manchmal ist es echt beeindruckend, was einige Menschen ehrenamtlich auf die Beine stellen. Hier sind zum Beispiel Frau Böttcher und Frau Mohamad. Seit drei Jahren öffnen sie jeden Morgen um 10.00 Uhr das Frauenzentrum und ermöglichen es den Frauen in Gotha, sich hier zu treffen. Täglich wird ein wechselndes Programm geboten, das kreative Kurse, Sportangebote und Begegnungen zur Selbsthilfe anbietet. Einmal im Monat bemüht man sich auch um ein ganz besonderes Highlight. Heute war ich dieses Highlight, genauer gesagt eine Lesung bei mir.
Wir fanden uns in gemütlicher Runde ein, ich erzählte von meiner Arbeit und las dann aus zwei Büchern, die ich mit Jugendlichen zusammen geschrieben hatte. Zwischendurch gab es leckeren selbstgebackenen Kuchen bei gemütlichem Plausch.
Das wird sicherlich nicht mein letzter Besuch sein, zumal sie in direkter Nachbarschaft zu mir wohnen und wir uns aus dem Fenster über den Innenhof zuwinken können. 


Mittwoch, 26. April 2017

Comic-Romane für den Deutschunterricht

 
 



Nun habe ich mich an ein neues Genre gewagt: Den Comic-Roman. Er hat den riesigen Vorteil, dass er lustig und unterhaltsam ist und man darum auch mal schwierige Themen humorvoll angehen kann. Außerdem ist er natürlich ganz besonders für schlecht lesende Jugendliche und DaZ-Lerner geeignet, da die Zeichnungen oft selbsterklärend arbeiten und die Lesekompetenz nicht zu sehr strapaziert wird.  
Diese drei Bücher setzen sich mit dem Thema Integration auseinander, aber ich bin dieses Thema einfach mal etwas lustiger und unterhaltsamer angegangen, hoffe ich. Dabei kam mir meine langjährige Arbeit mit türkischen Schülern und meine Kontakte zu Flüchtlingen und ihren Lebensgeschichten sehr zugute. Als besonders hilfreich aber haben sich meine zahlreichen lustigen und schrägen türkischen Freundinnen und Freunden erwiesen, durch die ich zahlreiche Verständnisse und Missverständnisse zwischen den Kulturen kennengelernt habe.
Ein besonderer Dank geht auch an die Lektorin von Hase & Igel-Verlag, mit der ich mich so gut austauschen konnte. Außerdem liebe ich die köstlichen Zeichnungen von Cornelia Seelmann. Sie hat die Gefühls- und Gedankenwelt der Protagonisten einfach genial rübergebracht.
Für alle Bücher gibt es auch Begleitmaterial für den Unterricht.
 

Dienstag, 25. April 2017

Wieder in Gotha



Nun bin ich wieder in Gotha. Der Frühling ist inzwischen angekommen. An jeder Ecke blühen Blumen, die Menschen sitzen auf dem Markplatz – die Stadt ist aus dem Winterschlaf erwacht.
Die große Vorhalle des ehemaligen Maria-Magdalena-Hospitals, von wo aus es in meine Autorenwohnung geht, erstrahlt in neuem Glanz. Ich freue mich über den netten Überraschungsgruß.
In zehn Tagen steht hier das große Gothardusfest an. Das ist so eine Art Zeitrechnung hier in Gotha. Es gibt eine Zeit davor und eine danach. Ich werde es diesmal erleben. 


Sonntag, 23. April 2017

Glaubst du an einen Gott


 
Gemeinsam mit einer kleinen Gruppe stehe ich vor dem Gothaer Rathaus. Wir warten auf den Abendrundgang mit „Lucas Cranachs Schwiegervater“, eine dieser schönen Spaziergänge im Kostüm auf den Spuren Lucas-Cranachs. Bevor es losgeht, lauschen wir dem Glockenspiel, das über dem Markplatz ertönt und versuchen, die Melodie zu erkennen. Ich identifiziere das Lied: „Üb immer Treu und Redlichkeit, bis an dein kühles Grab“, was außer mir niemand zu kennen scheint. „So bibelfest sind wir nicht“, sagt ein Mann lachend.
Dass ich bibelfest bin, habe ich auch nicht gewusst.
Wir ziehen durch die Stadt und bleiben im Brühl vor einer Hausmarke stehen. Ob wir wissen, welche Geschichte hier abgebildet ist, werden wir gefragt. Ich bin offensichtlich die einzige, die die Geschichte aus dem Alten Testament kennt, in der der König Salomo androht, ein Kind mit einem Schwert zu teilen, weil zwei Frauen behaupten, die eigentliche Mutter zu sein.
Bibelfest! Jetzt glaube ich es schon fast selbst!
Allmählich werde ich nachdenklich. Bei uns zu Hause spielte die Religion eher eine untergeordnete Rolle. Zur Kirche gingen wir höchstens zu Weihnachten. Aber die biblischen Geschichten und Lieder gehörten zum Kindergarten- und Schulbesuch. Später kam der Konfirmandenunterricht dazu, in dem ich viele Geschichten aus dem alten und neuen Testament zu hören bekam. Die lernt man für‘s Leben, zumal viele biblische Geschichten immer wieder in der Musik, der Literatur oder der Kunst auftauchen. Trotzdem habe ich mich nie als besonders „bibelfest“ gesehen.
Eine Woche später bin ich zu einem Workshop zum Thema „Cybermobbing“ in der Stadtbibliothek. Bei einem Spiel über Ausgrenzung werden die Kinder eines 4. Schuljahres aufgefordert, verschiedene Fragen mit ja und nein zu beantworten und sich in einem Raum auf bestimmten Karten zu positionieren. Es geht um Fragen zur Internetbenutzung, zum Smartphone, aber auch zum Sport, zu allgemeinen Dingen … und dann kommt die Frage: „Glaubst du an einen Gott“. Während sich die beiden muslimischen Kinder ganz klar für „ja“ entscheiden, gesellen sich nur noch zwei weitere deutsche Kinder dazu, die restlichen zwanzig Kinder stehen bei „nein.“ Die Antworten sind keinesfalls zufällig, auch bei den kommenden zwei weiteren Klassen bekräftigt die Mehrheit der Schüler, nicht an Gott zu glauben.
Da ich ja nun selbst lange Grundschullehrerin war, kann ich sagen, dass diese Antwort an unserer Schule komplett anders ausgefallen wäre. Ich bin sogar sicher, dass alle meine Schüler geschlossen bei „Ja“ gestanden hätten. Nun gut, meine jetzige Heimat im Kreis Paderborn ist überwiegend katholisch geprägt. Die Schüler unserer Schule sind oft noch sehr mit ihrem Glauben verbunden. Besonders wenn sie im 3. Schuljahr waren und die Heilige Kommunion vor sich hatten, konnte man sie fast seligsprechen.
Dass hier in Gotha fast alle Schüler ganz fest von sich behaupteten, nicht an Gott zu glauben, bestürzte mich irgendwie. Natürlich, als Jugendlicher setzen im Glauben viele Zweifel ein und als Erwachsener hat man die Beziehung zu Gott oft verloren. Aber als Kind ohne einen Gott klar kommen zu müssen, erscheint mir irgendwie so schutzlos.

Als Kindergartenkind erlebt man vielleicht die Eltern noch als allwissend und Halt gebend, doch spätestens in der Grundschule spürt man, dass der Handlungsspielraum von Eltern begrenzt ist und Eltern einfach nicht alles können und wissen. Dann braucht man doch eigentlich jemanden, an den man sich wenden kann, wenn man mal wieder Mist gemacht hat, den keiner erfahren darf und hofft, er regelt das alles zum Besten. Und spätestens wenn man einen lieben Menschen verloren hat, spürt man doch nach der ersten tiefen Trauer diesen Wunsch, dass es da noch irgendetwas gibt, was nach dem Tod kommen könnte.
„Wenn du nicht an Gott glaubst, was machst du denn, wenn du mal Hilfe brauchst, und du weißt, dass deine Eltern dir nicht helfen können?“, frage ich das Mädchen, das neben mir sitzt. Sie schaut mich mit großen Augen an. „Glaubst du dann, dass es da jemanden gibt, der dir helfen kann?“ Das Mädchen nickt. „Aber wenn es dann nicht Gott ist, wer ist es dann?“, frage ich. Das Mädchen zuckt die Schultern. 

Mittwoch, 19. April 2017

Besuch beim Gyldendal-Verlag

Kopenhagen hatte ich mir immer nur bei Sonnenschein vorgestellt. Damit ich nicht enttäuscht war, präsentierte sich diese kleine lebendige Hauptstadt tatsächlich von seiner besten Seite – Sonne pur. Ich hatte den Morgen über Zeit, durch die Stadt zu schlendern, ließ mich treiben, stand immer mal wieder vor schönen Kirchen, königlichen Bauten und Kanälen. Als ich in der Stadt auf einer Bank in der Sonne saß, kam sogar die königliche Wachablösung höchstpersönlich direkt an mir vorbei. Sie spielten Musik, ein Zeichen dafür, dass die Königin im Moment in Kopenhagen ist, wie ich erfuhr.
Um 12.00 Uhr hatte ich mich dann mit meiner Lektorin Louise Berg Nielsen zum Mittagessen verabredet. Wir verstanden uns auf Anhieb total gut und hatten uns viel zu erzählen.



Dann ging es zum Verlag hinüber, der mitten im Zentrum Kopenhagens liegt. Es ist der größte und traditionsreichste dänische Verlag, ein ungewöhnliches Verlagsgebäude mit Kult-Atmosphäre.
Nachmittags waren dann die Deutschlehrer zur Präsentation der neu erschienenen Lektüren für den Deutschunterricht eingeladen. Ich las aus meiner Lektüre „Der neue Bruder“ vor, Rasmus Therkildsen stellte einen besonderen Reiseführer über Berlin vor, der von Elise Burmeister extra in einfachem Deutsch und mit vielen Zeichnungen und Fotos für dänische Schüler geschrieben war.
Das Publikum war aufmerksam und sehr freundlich.
Danke noch einmal für die liebe Einladung. Ich hatte eine gute Zeit.  




Dienstag, 18. April 2017

Einladung nach Kopenhagen


Der Gyldendal-Verlag hat mich zur Vorstellung meines Buches nach Kopenhagen eingeladen und mich in einem riesengroßen und luxuriösen Konferenzhotel in der Nähe des Bahnhofs untergebracht. Das haben sie natürlich total lieb gemeint. Allerdings ist es aber immer so, dass mich diese gestylten Zimmer und die Lounge zum Abendessen total verschüchtern. Schon im Fahrstuhl versage ich kläglich, weil ich nicht kapiere, dass er sich nur in Bewegung setzt, wenn ich meine Schlüsselkarte einstecke…
Immerhin, das Zimmer habe ich gefunden, und den Blick von der Dachterrasse habe ich euch auch fotografiert. Das ist doch schon mal ein Anfang, oder?
Jetzt muss ich meinen Vortrag noch mal üben. 

Montag, 17. April 2017

Ostern

 

Wie bereits erzählt, verbrachte ich Ostern in diesem Jahr wieder auf dem Campingplatz bei meinem ältesten Sohn Alexander im Spreewald. Obwohl schlechtes Wetter angekündigt war, kamen zahlreiche Gäste, und wir hatten viel zu tun. Für mich ist es nett, mal was ganz anderes zu machen. Besonders gerne fahre ich den Shuttlebus. Ich mag Autofahren, und Bullis sind das Größte. Außerdem hat man endlich mal Zeit, mit den Gästen zu plaudern.
In diesen Ostertagen hatten wir auch Besuch von Sohn Nils und seiner Frau Julia. Das war total schön.
Oben auf dem Foto seht ihr übrigens die volle Crew des Campingplatzes, einschließlich Familienbesuch, unten sind noch mal Nils und Julia zu sehen.



Donnerstag, 13. April 2017

Morgens in einem Handyshop



Meinem Sohn ist das Handy hingefallen. Es leuchtet noch und das Coverfoto ist zu sehen. Beim typischen Handytouch allerdings tut es nichts. Mein Sohn ist tief erschüttert. Sein Handy trägt er immer bei sich, es ist mit ihm zu einer Person verschmolzen. Nur wenn er duscht, legt er es zur Seite – aber in Blickweite. Nun aber ist es definitiv zu einer Schachtel mutiert.
Er telefoniert mit deinem Reparaturservice – keine Chance noch vor Ostern. Schließlich greift er schweren Herzens auf ein älteres Modell zurück. Die Sim-Karte passt nicht. Ich biete ihm an, in den nächsten Handyshop zu fahren und eine zu besorgen.
Habt ihr den Morgen mal in einem Handyshop verbracht? Wenn zwei Kunden vor einem sind, bedeutet es echt eine Stunde Wartezeit. Da ich mir vorgenommen habe, mich in Geduld zu üben, betrachte ich es als Chance. Ich starre in der Gegend herum, ich schaue der Verkäuferin zu, ich lese meine Mails und antworte, ich scralle auf Instagram und Facebook herum.
Ein Kunde geht durch den Laden. Er berührt ein Handy und ein schriller Piepston ertönt. Die Verkäuferinnen bedienen weiter, als sei nichts geschehen. Ich verspüre einen leichten Tinnitus und frage höflich, ob man das Geräusch nicht abschalten kann. „Das geht leider nicht“, sagt die eine. „Das hört gleich von alleine auf.“ Es piepst weiter. Der Kunde berührt nun ein weiteres Handy. Ein weiterer schriller Ton erklingt – etwas höher als der erste. Der junge Mann stellt sich nun betreten in die Schlange hinter mich und steckt die Hände in die Tasche. Gemeinsam überlegen wir, was wohl passiert, wenn wir alle Handys berühren. Vielleicht erwirken wir ein Konzert. Das wäre das perfekte Youtube-Video.
Nun bin ich dann doch schnell an der Reihe.
Zwei Stunden später bin ich erneut auf dem Weg zum Handyshop. Ich habe eine falsche Karte gekauft. Macht nix – ich wollte mich ja sowieso in Geduld üben…