Montag, 21. Mai 2018

… war er noch so süß



Im Februar 2006 ist mein Buch „Im Chat war er noch so süß“ erschienen. Es wird seitdem immer noch regelmäßig in Schulen als Lektüre gelesen und hat sich insgesamt bis jetzt mehr als 200 000 mal verkauft. Obwohl die medientechnische Darstellung in dem Roman ziemlich veraltet ist, ist doch das Thema Internetmissbrauch leider immer noch brandaktuell.
Nun ist ein neuer Roman von mir erschienen, der das Thema Internetsicherheit erneut aufgreift, sich aber in medientechnischen Dingen aktualisiert hat. Soziale Netzwerke wie Tinder und Instragram lösen das Chatten in Loverooms ab, die Gefahr aber, die von der Anonymität des Internets ausgeht, ist geblieben.
Online war er noch so süß“ heißt der neue Roman in Anlehnung an den Titel von 2006. Er handelt von Madita, die endlich auch einen Freund haben will, und sich mit einem falschen Account bei Instagram auf die Suche macht.





Donnerstag, 17. Mai 2018

Alimentierter Messermann



Ich bemühe mich immer, es nicht als Provokation aufzufassen, wenn sich Politiker aller Welt zu irgendwelchen Gipfelgesprächen treffen, und zwischen all den dunkelbeanzugten Männern steht unsere Angela tapfer in einem farbigen Blazer und mit Raute zwischen den Händen.
„Die Hälfte der Menschen in dieser Welt sind Frauen“, sage ich mir dann immer. „Sie haben wahrscheinlich gerade nur etwas Wichtigeres zu tun, als zu diesem Gipfel zu fahren.“
Gestern aber in den Nachrichten, beim Bericht über die Bundestagsdebatte war das Rednerpult offenbar fest in Frauenhand. Nach AFD-Fraktionschefin Alice Weidel zeigten sie Angela Merkel, außerdem Andrea Nahles, Sarah Wagenknecht und Gesine Lötzsch. Man hatte das Gefühl, der Bundestag bestehe zu 90 % aus Frauen.
Vielleicht hatte man aber auch diese Ausschnitte gewählt, weil Frauen in der Regel bessere Reden halten können als Männer, sehen wir einmal von den peinlichen Wortschöpfungen an, die Alice Weidel von sich gab. *
Ehrlich gesagt kannte ich das Wort `alimentiert´ bisher nicht. Ich kenne Alimente und auch limitiert, ich kenne auch lamentieren und Legimitation, aber alimentiert …? Naja, man lernt ja nie aus.
Nur zu „Messer-Mann“ (wow! Diese Alliteration mit den beiden M! Welch eine Kreation!) habe ich eine klare Assoziation. Ich sehe Eddy den Scherenmann vor mir. Aber humorlos wie die AFD ist, hat sie den wahrscheinlich nicht gemeint.  

Dienstag, 15. Mai 2018

Schülerpost



Immer noch gehört es fast jeden Abend zu meinen beruflichen „Verpflichtungen“, dass ich Schülerpost beantworte. Und immer noch nehme ich mir die Zeit, jedem Schüler persönlich zu antworten. Zwar sind es oft nur ein paar Zeilen, die ich dem Schüler schreibe, und doch rede ich ihn mit seinem Namen an und nehme zu dem Brief Stellung, sodass er das Gefühl hat, sein Brief wurde gelesen und gewürdigt.
Als ehemalige Lehrerin weiß ich, wie wichtig genau diese persönlichen Antwortbriefe für die Schüler sind. Hin und wieder machen sich einige Lehrer auch die Mühe, sich noch einmal zu melden und gerührt schildern, wie überrascht und begeistert die Schüler auf meine Antwort reagiert haben. Das freut mich natürlich ganz besonders.
Lange Zeit habe ich nur Briefe von Sekundarschülern bekommen, seit ich aber auch für die Grundschule schreibe, bekomme ich auch Briefe von Kindern – vom Inhalt her oft nicht so differenziert, aber immer mit sauberer Handschrift, süßen Bildern, Stickern und Fotos. Ich freue mich über alle diese Briefe, und sie motivieren mich bei meiner Arbeit sehr.

Donnerstag, 10. Mai 2018

Kommunikation



Im Moment verbringe ich viel freie Zeit mit Clara, meiner vierjährigen Enkelin. Sie hat, was alle meine Söhne nicht hatten. Sie redet. Und zwar ohne Unterlass. Sie kommentiert, fragt, macht aus allem und jedem ein Rollenspiel, bei dem ich dies oder jenes zu sagen habe und steht mir ständig hilfsbereit im Weg.
Diesmal gieße ich Gipsformen für die Kinderanimation. Clara begleitet meine Arbeit mit munterem Plaudern.
„Ich brauche mal ein bisschen Wasser. Schaffst du es, mir ein Schälchen zu holen?" frage ich sie.
„Natürlich“, sagt sie liebevoll und trägt das Schälchen behutsam in die Küche. Ich atme erleichtert durch. Endlich mal fünf Minuten für mich, ohne dass mir jemand ein Ohr abquatscht. Plötzlich Clara: „Omi, kannst du mir wohl mal den Wasserhahn anmachen…“

Freitag, 4. Mai 2018

Frauenarbeit



Hier auf dem Campingplatz wird im Moment jede Arbeitskraft gebraucht. Und doch herrschen tiefe archaische Vorurteile vor. Während die Männer auf den Baggern und Treckern sitzen, bleiben für uns Frauen die Harken und Schaufeln – und letztendlich auch die Kinderbetreuung übrig. Ich bleibe hartnäckig. Jetzt will ich endlich das Rasenmähen auf diesem genialen Aufsitzmäher lernen, der sich so locker um die eigene Achse dreht. Mein Sohn versucht es mir auszureden. Ich könnte schließlich dieses teure Teil kaputtfahren – höhö!!! Dabei hat gerade er vor einigen Wochen sein Auto in den Morast gesetzt und beim Versuch, es wieder herauszuziehen den Radlader daneben versenkt. Der Platzarbeiter hat sein Auto vor einen Baum gefahren (Achsenbruch) und mein Mann hat mit dem kleinen Elektrowagen die Schranke abgefahren. Ich dagegen fahre 2000 Kilometer unfall- und blitzerfrei nach Österreich und zurück und eine Woche später 1000 Kilometer unfall- und blitzerfrei nach Polen und zurück.
So what? Finde den Fehler, sage ich. Er findet ihn nicht.
Da muss ich warten, bis er nicht da ist, damit mir der Platzarbeiter das Fahren beibringt. Hej, noch nie war Rasenmähen sooooo cool!



Montag, 30. April 2018

In der Lausitz



Das schönste Wetter gibt es meistens in der Lausitz. So habe ich Glück, dass ich den Mai hier auf unserem Campingplatz verbringe. Arbeitstechnisch allerdings gibt es so viel zu tun, dass das Schreiben sehr in den Hintergrund rückt, jedenfalls an diesen vielen Feiertagen wie dem 1. Mai, Himmelfahrt und Pfingsten. Dann beginnt mein Tag meist morgens an der Brötchentheke und endet abends an der Biertheke, allerdings nicht als Kundin, sondern als tapferer Arbeiter.
Aber es macht auch Spaß, zu sehen, wie vergnügt die Urlauber sind, und wie schnell sich die Kinder auf Campingplätzen zusammenfinden, um miteinander zu spielen.
Durch die ständigen Unterbrechungen gerät mir mein Manuskript allerdings immer wieder ins Hintertreffen, das macht mich irgendwie unruhig. Ich arbeite doch gerne kontinuierlich an einem Stück und verschmelze mit meiner Geschichte. Im Moment habe ich das Gefühl, immer wieder neu einsteigen zu müssen. Gott sei Dank ist es bis zur Manuskriptabgabe noch Zeit, sodass ich nicht in Panik geraten muss. Aber ich muss unbedingt einen Arbeitsrhythmus finden, der mich zufrieden macht. Ich ahne schon, dass das wieder die frühen Morgenstunden sein werden…

Dienstag, 24. April 2018

Zu Besuch in Pszczyna



Die letzte Station meiner Reise durch Polen ist eine hübsche Stadt mit dem unaussprechlichen Namen Pszczyna (spricht sich Ptschschöna). Hier am Lyzeum lädt man jeden Monat eine „besondere Person“ ein, um mit ihr über Berufe, Politik, Philosophie oder Kultur zu reden. Da mich die Lehrer und Schüler im vergangenen Jahr bei einer Lesung in Katowice kennengelernt hatten, meinten sie, es wäre doch schön, wenn ich in diesem Monat diese Person sein könnte (höhö!!!) Das hat mich sehr geehrt.

Ich habe dann in der Aula mit den Schülern, die schon sehr gut deutsch verstanden, von meinem Schreiben erzählt, meine Bücher vorgestellt und auch ein bisschen daraus gelesen. Dazu stellten viele Schüler interessante Fragen.
Auf den Fotos seht ihr mich im Gespräch mit der Fürstin Daisy von Pless, die ich auf dem Marktplatz getroffen habe ; )), außerdem mit der herzlichen Gastgeberin Aleksandra Dutkowska, eine der Deutschlehrerinnen, die mich eingeladen hat.


Samstag, 21. April 2018

Mal wieder in Polen



Nun melde ich mich mal wieder aus Polen. Ein Lyceum in dem Ort mit dem unaussprechlichen Namen Pszczyna hat mich eingeladen. Lehrer und Schüler hatten mich im vergangenen Jahr an einer Schule in Katowice bei einer Lesung kennengelernt und mich gefragt, ob ich nicht auch mal zu einer Lesung an ihrem Lyceum vorbeikommen könnte.
Mein Mann und ich diskutieren eine Weile. Polen mögen wir beide sehr, und nach einigem hin und her beschließen wir, diese Lesung mit einem Kurzurlaub zu verbinden. Wir fahren zunächst nach Krakau und verbringen dort ein verlängertes Wochenende.

Krakau ist wunderschön. Das „Paris an der Weichsel“ wird es genannt, und das trifft es total. Die polnischen Städte haben irgendwie einen französischen Charme. Traurig ist leider nur, dass diese schreckliche deutsch-nationalsozialistische Vergangenheit hier so furchtbar zu spüren ist. Da bin ich fast froh, dass auch die Fabrik Oskar Schindlers  hier in Krakau stand.
Abends sind wir bei leckerem polnischen Essen und Klezmer Musik im jüdischen Viertel Krakaus essen, und das ist Gott sei Dank unglaublich lebendig und bunt.